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Tiergesundheit
 

Kastration der Hündin


Die rechtliche Grundlage für die Kastration einer Hündin ist das Tierschutzgesetz. Hier ist klar geregelt, dass eine (Teil-)Entnahme oder Zerstörung von Körperteilen - also eine Amputation - verboten ist. Somit sind beispielsweise das Kupieren von Ruten oder Ohren, wie es in der Vergangenheit bei bestimmten Rassen wie Dobermännern oder Boxern praktiziert wurde, nicht mehr erlaubt. Die Kastration stellt eine Ausnahme insofert dar, dass diese unter eine der folgenden drei Regelungen erfolgen darf:

  • wenn der Eingriff im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist
  • zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung
  • wenn zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird - soweit tierärztliche Bedenken dem Eingriff nicht entgegenstehen.

Bei der Abwägung, ob ein Kastration erforderlich ist, sollten immer auch die Folgen und Risiken eines solchen Eingriffs berücksichtigt werden.

 

OP-Risiko/Narkoserisiko

Eine Kastration der Hündin ist kein kleiner Eingriff. Um eine Hündin zu kastrieren muss die Bauchhöhle unter Vollnarkose eröffnet werden. Jede Vollnarkose birgt Risiken. Ebenso jeder chirurgische Eingriff. So kann es beispielsweise zu Kreislaufversagen, Blutungen und anderen Narkosezwischenfällen kommen. Auch die Tage nach einer solchen OP birgen noch Risiken. Wird die Hündin nicht ruhig gehalten, springt und tobt sie, kann es auch Tage später noch zu Blutungen kommen. Auch die Wundheilung kann gestört sein und es kann zu Infektionen kommen.

 

Einfluss auf die Entwicklung

Mit Eintritt der Pubertät kommt es zum Schluss der Knochenwachstumsfugen. Eine sogenannte Frühkastration - Kastration vor der ersten Läufigkeit - schiebt dieses Ereignis in ein späteres Lebensalter. Bei einer Kastration nach der ersten Läufigkeit wird diese Entwicklung wegen des bereits stattgefundenen Epipyhsenschlusses nicht beobachtet.

 

Wesensveränderungen

Bei der Kastration werden nicht nur Organe (Eierstöcke, evtl. auch Gebährmutter) entfernt, sondern auch die durch diese Organe gebildeten Hormone fallen weg. Dieser Umstand kann Folgen haben, die das Wesen betreffen. Ängstliches oder aggressives Verhalten kann sich verstärken oder auch verbessern. Sehr häufig werden Hündinnen träge. Es ist kaum vorherzusehen, in welche Richtung sich das Verhalten nach der Kastration entwickelt.

 

Gewichtszunahme

Häufig kommt es nach der Kastration zu einer Gewichtszunahme trotz gleicher Fütterung wie vor der Kastration. Es wird diskutiert, ob eine Veränderung des Stoffwechsels durch Fehlen der Hormone oder eine zunehmende Trägheit der kastrierten Hündin hierfür ursächlich sind. Die Fütterung muss in diesem Fall entsprechend angepasst werden.

 

Fellveränderungen

Insbesondere bei Rassen mit seidigem langem Fell (z.B. Langhaardackel, Irish Setter, Cocker Spaniel) und Collies kann es nach der Kastration zur Ausbildung des Welpenfells kommen. Seltener tritt eine symmetrische Flankenalopezie bei kurzhaarigen Hündinnen auf.

 

Eine spätere Harninkontinenz

Die Harninkontinenz nach der Kastration ist die häufigste unerwünschte Nebenwirkung. Sie tritt durchschnittlich 2–3 Jahre nach dem Eingriff auf. Tiere mit einem hohen Körpergewicht (über 20 kg) sind häufiger betroffen. Auch bestimmte Rassen wie Boxer, Rottweiler, Dobermänner und Bobtails sind häufiger betroffen. Ob der Kastrationszeitpunkt eine Rolle auf das Auftreten einer späteren Harninkontinenz spielt wird diskutiert. Man weiß jedoch, dass die Harninkontinenz nach Frühkastration stärker ausgeprägt ist und die eine medikamentelle Therapie der Harninkontinenz in diesen Fällen häufiger nicht funktioniert.

 

Veränderungen der Knochen

Mittlerweise geht man davon aus, dass der Wegfall der Hormone nach einer Kastration einen Einfluss auf Veränderungen an Knochen und Gelenken hat. Arthrose beispielsweise tritt bei kastrierten Hündinnen häufiger auf, als bei nicht kastrierten.

 

Die Kastration als „Tumorprophylaxe“

Ein großes Thema und immer wieder angesprochen wird die Kastration als Tumorprophylaxe. Tatsächlich war es bis vor einigen Jahren so, dass Hündinnen häufig mit diesem Argument kastriert wurden. Dies ist nun aufgrund der rechtlichen Situation nicht mehr möglich und auch längst überholt - denn mittlerweile hat sich gezeigt, dass eine kastrierte Hündin zwar ein deutlich geringeres Risiko hat an Mamatumoren (Tumoren der Gesäugeleiste) zu erkranken - und sie wird nach Entnahme der Eierstöcke und ggf. der Gebährmutter keine Tumoren an den entnommenen Organen bekommen können. Dagegen steht allerdings das Argument, dass man mittlerweile weiß, dass kastrierte Hündinnen im Alter ein höheres Risiko haben, an anderen Tumorarten (Übergangszellkarzinomen und Neoplasien des Herzens) zu erkranken.